Verdi tarifvertrag einzelhandel baden-württemberg

Die Walkouts, unter dem Motto “Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen”, begannen über Nacht und fallen mit Amazons Prime Day zusammen, wenn der US-Online-Handelsriese seinen “Prime”-Kunden Rabattangebote anbietet. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Markt. Nur wenige Tage später wurde auch ein weiterer Tarifvertrag unterzeichnet, diesmal für Leiharbeitnehmer in der Branche. Der Streik ist Teil des Vorstoßes von Verdi, die Verhandlungen mit dem Online-Handelsriesen über einen Tarifvertrag für “gute und gesunde Arbeit” abzuschließen. In der Pilotvereinbarung in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg wurde in vier Hauptbereichen eine Einigung erzielt. Die Tarifpolitik von Verdi hat vor allem durch Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst große Media-Aufmerksamkeit erregt. 2006 haben die Gewerkschaftsmitglieder einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Bundesländer angenommen, nachdem sie zuvor drei Monate lang gestreikt hatten. [55] Der Marburger Bund lehnte das damalige Verhandlungsergebnis ab und führte die Medien zu der Meldung, er begebe sich “auf Kollisionskurs” mit Verdi. [57] Die Tarifgemeinschaft der beiden Gewerkschaften war bereits im Vorjahr aufgelöst worden.

[58] 2007 starteten Verdi und der Deutsche Beamtenbund (DBB) eine drei Millionen Euro teure Werbekampagne unter dem Motto “Genug gespart”. [59] Ziel der Kampagne war es, die Aufmerksamkeit stärker auf die Arbeit des öffentlichen Dienstes im Vorfeld neuer Tarifverhandlungen zu lenken. [60] Nach einer Warnstreikwelle und mehreren Verhandlungsrunden forderten die Parteien im März 2008 eine Schlichtung. [61] [62] Obwohl dies misslang, einigte sich Verdi schließlich mit Bund, Ländern und Kommunen auf einen neuen Tarifvertrag. [63] [64] Die Gewerkschaft erzielte eine Lohnerhöhung von acht Prozent,[65] was einige Beobachter als schwere Belastung für die öffentlichen Haushalte bezeichneten. [66] Verdi zog im Handelsstreit insgesamt 50.000 neue Mitglieder an. [67] Später gelang es ihr, diesen Erfolg bei ähnlichen Verhandlungen im Jahr 2018 mit einer Vereinbarung zu wiederholen, die eine kumulative Erhöhung der Gehälter um 7,5 Prozent über einen Zeitraum von 30 Monaten vorsieht und Aufstockungen und zusätzliche Zahlungen umfasst, die den öffentlichen Sektor zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen sollen. [68] Neben dem Pilotvertrag für die Metall- und Elektroindustrie im Südwesten Deutschlands handelten Arbeitgeber und IG Metall auch einen Branchentarifvertrag für Leiharbeitnehmer in der gesamten deutschen Elektro- und Metallindustrie aus.

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